By Tobias Hamelmann

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Das Problem ist nicht akademisch; es gibt psychiatrische Gutachter, welche die Kriminalprognose im Wesentlichen daraus ableiten, in welchem Umfang die jetzige Tatschilderung des Probanden mit den Urteilsfeststellungen übereinstimmt. Wenn ein Proband erklärt, er könne die Tat nicht erklären, wird dies als Hemmnis für Lockerungen und als Entlassungshindernis bezeichnet. Allerdings müsste dann auch der Gutachter eine mehr als triviale, nachvollziehbare Theorie zur Tat haben und zudem schlüssig aufzeigen, warum der Proband diese seine Theorie erkennen und beherzigen müsste.

Und schließlich: Welche Relevanz hat die Auseinandersetzung mit der Tat für die Prognose? Etwas formal kann man unterscheiden zwischen den Fähigkeiten eines Gefangenen oder Untergebrachten, (1) seine eigene Täterschaft anzuerkennen, den Tatablauf kognitiv richtig zu erfassen und wirklichkeitsgerecht sprachlich darzustellen; (2) sich emotional und als Person zu der Tat zu verhalten, also Stellung zu beziehen; (3) die Tat zu verstehen. Die Anerkennung oder Nicht-Anerkennung der eigenen Täterschaft und Zuordnung der Tat zur eigenen Person geht bereits implizit aus der Schilderung des Tatablaufs hervor: Werden wichtige Sachverhalte weggelassen, bagatellisiert, beschönigt, werden die Abläufe umgeordnet und neu zusammengesetzt, oder entsprechen die Angaben den früher getroffenen Feststellungen?

Dies betrifft häufig Verurteilte, die sich durch nur geringe Gemüthaftigkeit, Bindungsunfähigkeit und egozentrische Rücksichtslosigkeit auszeichnen, die meist auch im Untersuchungsgespräch über die Tat kaum verborgen werden kann. Verstehende Rekonstruktion ist Gutachteraufgabe Die verstehende Rekonstruktion der psychologischen und situativen Tathintergründe ist aber letztlich Aufgabe des Experten, die nicht an den Probanden delegiert werden soll. Sie ist eine aufwendige Aktion der Informationsgewinnung aus den Akten, um ein Wissen über die Determinanten der Lebensgeschichte des Probanden vor und seit der Tat zu gewinnen.

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